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Aktuelle Berichte

Griechische Inseln: Nahrungsmittel und winterfeste Unterkünfte für Flüchtlinge fehlen

Maren Platzmann koordiniert die Hilfe auf den griechischen Inseln.

Täglich kommen nachts Boote mit Geflüchteten auf den griechischen Inseln an, immer wieder verlieren Menschen in der bewegten See ihr Leben. Die Ankommenden haben nichts, sind erschöpft und traumatisiert von der Flucht. Doch die Kapazitäten vieler  Erstaufnahmeeinrichtungen auf Kos, Chios und anderen Inseln sind ausgereizt. Es fehlt an Nahrungsmitteln, ärztlicher Versorgung und Unterkunft.

Maren Platzmann, 34 Jahre, ist seit drei Jahren für die Diakonie Katastrophenhilfe tätig. Sie hat bereits in Kolumbien, der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan und in der Ukraine Projekte für die Organisation koordiniert und lokale Partnerorganisationen unterstützt. Jetzt ist sie in Athen und auf den griechischen Inseln, um die Hilfsmaßnahmen der Diakonie Katastrophenhilfe und ihrer Partner vor Ort für die ankommenden Flüchtlinge auszuweiten.

Welche griechischen Inseln haben Sie besucht? Wie ist die Situation?

Maren Platzmann: Bislang war ich auf Chios und Kos. Beide Inseln sind nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt, daher kommen viele Flüchtlinge mit dem Boot zunächst hier an. Auf Chios ist die Lage chaotisch, aber es stehen noch genügend Unterkünfte zur Verfügung. Allerdings sind diese nicht winterfest. Wenn die Temperaturen fallen oder es regnet, wird sich die Situation für die Menschen verschärfen. Außerdem ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln eine Herausforderung.

Wie viele Menschen kommen dort täglich an? Was berichten sie von ihrer Flucht?

Maren Platzmann: Alleine im Oktober sind rund 20.000 Flüchtlinge auf Chios registriert worden. Über die Hälfte von ihnen sind aus Syrien. Eine Familie berichtete mir, dass sie vor ihrer Flucht über das Mittelmeer über ein Jahr in der Türkei gelebt hat. Dort sahen sie aber keine Perspektive für sich und ihre Kinder. Es gab keine Arbeit und sie konnten ihre Kinder nicht ausreichend versorgen. Jetzt ist ihr vordringliches Ziel, die Registrierungspapiere zu bekommen und weiter zu ziehen. Viele Flüchtlinge sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie lange sie noch die Möglichkeit haben, Asyl in Europa zu bekommen und stehen daher unter großem Druck.

Wie ist die Situation in den Lagern? Wo übernachten die Menschen? Was brauchen sie am dringendsten?

Maren Platzmann: Die Situation auf den Inseln ist unterschiedlich. Auf Chios schlafen die Menschen in Zelten und in dem Gebäude des Erstaufnahmezentrums. Am dringendsten muss hier die Verpflegung der Menschen mit warmen Mahlzeiten organisiert werden. Außerdem muss von den lokalen Behörden eine Entscheidung über den Ort der Unterbringung gefällt werden, um die Unterkünfte winterfest machen zu können. Auf der Insel Kos gibt es kein Erstaufnahmezentrum. Hier schlafen die Menschen in provisorischen Unterkünften. Es muss dringend eine Lösung für angemessene Unterbringung, insbesondere für Familien mit kleinen Kindern, schwangere Frauen, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen gefunden werden. Wir versuchen das temporär mit der Verteilung von Vouchern für Hotels zu unterstützen, die im Winter leer stehen.

Wie ist die Hilfe vor Ort organisiert?

Maren Platzmann: Bislang sehr ad hoc, je nach Verfügbarkeit der Mittel. Die lokalen Behörden haben nur sehr begrenzte Mittel und zu wenig Personal, reagieren daher oftmals nicht schnell genug auf die sich ständig ändernden Situationen: An manchen Tagen kommen Hunderte, an manchen Tausende Menschen an. Es gilt diese mit dem Nötigsten zu versorgen - Wasser, Essen, Decken, warme Kleidung, Hygieneartikel. Das UNHCR übernimmt die Koordination der lokalen und internationalen Hilfsorganisationen vor Ort. Auch die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe stimmen ihre Maßnahmen eng mit dem UNHCR und den lokalen Akteuren ab.

Wie hilft die Diakonie Katastrophenhilfe?

Maren Platzmann: Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet zusammen mit der orthodoxen Hilfsorganisation IOCC aus dem weltweiten kirchlichen Netzwerk, der ACT Alliance und mit der griechischen Organisation Apostoli, die mit Mitarbeitern vor Ort hilft. Auf den Inseln Chios, Samos und Kos werden täglich Lebensmittel, Wasser, Hygieneartikel, Schlafsäcke, warme Decken und Kleidung verteilt. Die Aufnahmezentren sind mit zusätzlichen Duschen und Toiletten ausgestattet worden. In den kommenden Wochen werden wir helfen, die Unterkünfte winter- und wetterfest zu machen.

Was müsste von staatlicher Seite passieren?

Maren Platzmann: Die staatlichen Stellen müssen die Führung in der Koordination von Hilfsmaßnahmen übernehmen, insbesondere in den Registrierungszentren. Im Moment ziehen sich viele Entscheidungen über Unterbringung und Registrierung der Flüchtlinge von staatlicher Seite zu lange hin. Das hat zur Folge, dass die Hilfsorganisationen nur mit temporären, Ad-hoc-Lösungen helfen können.

Was erwarten Sie, wie sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird?

Maren Platzmann: Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Zahl der ankommenden Flüchtlinge insgesamt verringern wird. Im Winter sinken die Preise für die Überfahrten, weil das Risiko bei rauer See größer ist. Das bedeutet auch, dass Menschen, die weniger Mittel haben, das größere Risiko in Kauf nehmen, um die Flucht zu wagen. Das Wetter auf den griechischen Inseln wird regnerisch und kalt. Winterfeste Unterkünfte und eine ausreichende Versorgung mit warmen Mahlzeiten für die Flüchtlinge sind daher unsere wichtigste Aufgabe.

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