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Aktuelle Berichte

Längerfristige Wirkung erzielen

Guido Krauss leitet seit März 2016 das Projektbüro der Diakonie Katastrophenhilfe in der Demokratischen Republik Kongo.
Als Projektbüroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in der Demokratischen Republik Kongo koordiniert Guido Krauss die Projekte vor Ort. Die gemeinsame Projektplanung mit den Partnerorganisationen ist dabei eine zentrale Aufgabe. Im Interview erläutert er Herausforderungen und Chancen seiner Arbeit.

Was macht die Diakonie Katastrophenhilfe im Kongo?

Wir arbeiten mit lokalen Partnern zusammen und führen gemeinsam Projekte in verschiedenen Regionen durch. Die meisten dieser Gebiete sind Konfliktregionen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darin, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Wir sind aber auch in der Wasserversorgung, der Hygienesicherung sowie im Bereich Schutz aktiv. Zudem stellen wir Notunterkünfte zur Verfügung, verteilen Haushaltsartikel und engagieren uns gegen Gewalt.

Was sind die ärgsten Nöte der Menschen?

Die Probleme, mit denen die Menschen zu kämpfen haben, sind komplex und von Region zu Region verschieden. Oft haben sie unmittelbar oder mittelbar mit der herrschenden Gewalt zu tun. Dementsprechend divers sind auch unsere Projekte. Sie reichen von langfristigen Entwicklungs- und Rehabilitationsprojekten bis hin zu kurzfristigem Krisenmanagement.

Sind Sie im gesamten Kongo aktiv?

Hauptsächlich sind wir in den Regionen Nord- und Süd-Kivu sowie im Distrikt Ituri tätig. In Nord-Kivu und in Ituri unterstützen wir Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben wurden. Dabei richtet sich unsere Hilfe sowohl an die Heimkehrer selbst als auch an die Familien, die sich bereit erklären, andere bei sich aufzunehmen. In Süd-Kivu gilt unsere Hilfe hauptsächlich Flüchtlingen, die aus Burundi kommen.

Welche Projekte liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Ein tolles Projekt ist das sechs-monatige „Cash“-Projekt, das wir in Zusammenarbeit mit dem UN-Welternährungsprogramm durchführen. Ziel ist es, die Ernährung der Menschen langfristig zu sichern. Dafür erhalten die Begünstigten Bargeld, über das sie eigenständig verfügen können. Wir arbeiten da mit einer Bank zusammen. Die Verteilung des Geldes kann zügig organisiert werden, sodass wir schnelle und direkte Hilfe leisten können. Sie ist außerdem so geregelt, dass sie mit den Markttagen zusammenfällt, sodass sich die Menschen direkt mit Lebensmitteln versorgen können.  Durch die Verteilung von Bargeld geben wir den Begünstigten auch ein Stück ihrer Freiheit und Selbstbestimmung zurück, denn sie können selbst entscheiden, wofür sie das Geld einsetzen möchten. Nicht immer ist schließlich das, was am dringendsten benötigt wird, Essen. Es kann auch ein Medikament oder Kleidung sein. Das macht die Hilfe zu einer selbstbestimmten Hilfe.

Was sind die größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung ist definitiv der Kontext, in dem wir arbeiten. Der Kongo ist eine Konfliktregion, die langfristiges Arbeiten teilweise erschwert.  Je nach Standort kann sich die Situation im Projektverlauf  plötzlich wandeln, etwa durch eine Veränderung in der Sicherheitslage, die bestimmte Gebiete von heute auf morgen zu „no go areas“ macht, oder durch einen Wetterumschwung, der bestimmte Straßen plötzlich unbefahrbar werden lässt.  Solche Unwägbarkeiten können unsere Projekte  verkomplizieren und ausdehnen.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?

Ich möchte mit meiner Arbeit im Kongo etwas bewirken – und zwar langfristig! In einem unserer Projekte,  das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mitfinanziert wurde, sind Brücken und Straßen gebaut worden. Mit einer solchenInvestition wird auf einen Schlag 100.000 Leuten geholfen. Das ist schon etwas! Nämlich langfristige Hilfe, die von nun an einer großen Anzahl an Menschen einen ganz neuen Zugang zu Märkten, zu Wirtschaft, zu Teilhabe ermöglicht. Solche Projekte haben langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung ganzer Regionen. Das ist dann schon ein toller Erfolg!

Die Demokratische Republik Kongo ist ein Land, das besonders stark von Konflikten, Krisen und Gewalt gebeutelt ist. Wie gehen die Menschen mit ihrer schwierigen Lebenslage um?

Die Wahrnehmung ist verschieden: Vieles, was wir bei uns als sehr dramatisch ansehen, hat im Kongo eine andere Bedeutung. So traurig es ist, die Menschen leben unter anderen Umständen. Sie sind anders aufgewachsen und arrangieren sich anders mit ihrem Leben. Mit vielem haben sie sich abgefunden, sie stehen immer wieder auf und machen weiter. Zwar sind sie einerseits frustriert, aber andererseits haben sie diese Mentalität, die besagt „on est la“  – wir sind nun mal da – es ist, wie es ist, das Leben geht weiter.  

Projekt: 

DR Kongo
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