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Aktuelle Berichte

Nothilfe für Flüchtlinge in Presevo

Anette Wiebe unterhält sich in Belgrad mit einem syrischen Flüchtling mit einer Baseball-Kappe.
Anette Wiebe im Gespräch mit Mohamed. Der Flüchtling aus Damaskus hat Film und Regie studiert. Er hofft von Europa aus seine Familie unterstützen zu können.

Annette Wiebe ist Projektverantwortliche der Diakonie Katastrophenhilfe. Sie war in den vergangenen Wochen in Serbien, um die Partner vor Ort bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Im Interview schildert sie ihre Eindrücke.

Wie ist die aktuelle Situation der Flüchtlinge in Serbien?

Annette Wiebe: Serbien ist ein typisches Transitland. Die Flüchtlinge kommen zumeist über die Balkanroute aus dem Nahen Osten oder Afghanistan. Wenn sie in Griechenland angekommen sind, finden sie dann ihren Weg über Mazedonien bis zur serbischen Grenze. Das Ziel sind meistens die west- und nordeuropäischen Länder. Momentan ist der Zustrom der Geflüchteten enorm. Diejenigen, die ankommen sind, sind dann sehr geschafft von dem langen Weg. Sie haben Strapazen hinter sich gebracht. Der Weg übers Mittelmeer ist ja sehr gefährlich.

Mit was für Verkehrsmitteln sind die Flüchtlinge unterwegs?

Annette Wiebe: Sie kommen zumeist mit dem Zug. Inzwischen gibt es aber auch viele Busse, die an die Grenze kommen, es gibt aber auch Busse, die an die Grenze kommen, durch Mazedonien hindurch. Zum Teil gehen die Flüchtlinge auch Abschnitte zu Fuß.

Was brauchen die Flüchtlinge am dringendsten?

Annette Wiebe: Wenn Sie dann angekommen sind, brauchen die Flüchtlinge erst einmal etwas zu Essen und zu Trinken. Wir verteilen Nahrungsmittel, Hygiene-Kits, auch besondere Baby-Kits, in denen Windeln sind und Babynahrung. Mit Anbruch der kalten Jahreszeit brauchen Babys dringend warme Anziehsachen. Angesichts des Wetterumschwungs brauchen die Flüchtlinge  jetzt speziell Schlafsäcke, Winterkleidung und warme Schuhe, alles was die Menschen gut über den Winter bringt.

Wie ist die Situation in den Lagern?

Annette Wiebe: In Preševo, das ist ein kleines Dorf in dem wir arbeiten, gibt es einen „Refugee Aid Point“. Er wird von der serbischen Regierung betrieben und arbeitet auch eng mit dem UNHCR zusammen, dort werden die Flüchtlinge auch registriert. Unser Partner Philanthropy hat in dieser Anlaufstelle für Flüchtlinge auf der Durchreise Toiletten- und Duschcontainer aufstellen lassen. Die Leute hatten häufig auf der Reise keine Gelegenheit sich zu Waschen und sind über die Einrichtungen sehr froh. Außerdem gibt es einen zweiten Projektort in Zaječar an der bulgarischen Grenze.

Die Hilfsbereitschaft ist sowohl von staatlicher Seite, als auch von der Bevölkerung her sehr groß. Es werden auch vor Ort Sachspenden gesammelt. Es gab auch Fälle, wenn zeitweise nicht genügend Duschen zur Verfügung standen, dass Leute Flüchtlinge zu sich nach Hause eingeladen haben, damit sie dort duschen können.

In Preševo stehen auch Zelte, dort kann übernachtet werden. Für besonders schutzbedürftige Personen, also Familien mit Kindern, Schwangere und alte Menschen gibt es auch feste Gebäude.

Kommt die Hilfe bei den Bedürftigen an?

Annette Wiebe: Aufgrund des starken Zustroms von bis zu 7.000 Geflüchteten pro Tag ist die Organisation der Hilfe vor Ort momentan nicht leicht. Serbien hat aber bereits ein Kommissariat für Flüchtlinge und Migration, das sich im Rahmen der Balkankriege genau mit der Frage von Flüchtlingen und intern Vertriebenen befasst hat. Die Erfahrung vor Ort ist also da, zusätzliche Unterstützung ist aber dringend notwendig, damit die Menschen bei den kalten Temperaturen gut versorgt werden können

Die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe versorgen die Flüchtlinge mit Info-Material in den verschiedenen Sprachen, in denen die Flüchtlinge über ihre Rechte aufgeklärt werden. In Serbien haben die Flüchtlinge 72 Stunden Zeit sich legal im Land zu bewegen. Wenn Sie dann länger bleiben wollten, muss dann der Antrag auf Asyl gestellt werden. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Serbien wollen allerdings die meisten weiter in Länder, wo sie eventuell arbeiten können, um sich selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Wie wird sich die Flüchtlingssituation weiterentwickeln?

Annette Wiebe: Wahrscheinlich werden die Flüchtlingsbewegungen bis November in der gleichen Stärke wie bisher weiter gehen. Danach werden die Reisewege übers Mittelmeer noch gefährlicher. Im Frühjahr, sobald die Wege wieder einigermaßen befahrbar sein werden, kann es gut sein, dass wieder mehr Leute kommen.

Bildergalerie: 

Viele der aus Syrien und Afghanistan stammenden Bürgerkriegsflüchtlinge werden im Erstaufnahmelager der serbischen Grenzstadt Presevo durch Polizeibeamte registriert.
Eine afghanische Flüchtlingsfamilie mit ihren Registrierungsnummern.
In Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation Philanthropy versorgt die Diakonie Katastrophenhilfe im Erstaufnahmelager der serbischen Grenzstadt Preševo Flüchtlinge mit Hygiene-Kits.
Die Hygiene-Kits enthalten die wichtigsten Sachen zur Körperpflege.
Auch für die Kleinsten wird gesorgt: Baby-Kit für Flüchtlinge

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