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Aktuelle Berichte

Schnelles Handeln notwenig

Hunger breitet sich im Südsudan aus. Christian Huber, Referent für Humanitäre Hilfe, hat die Projekte der Diakonie Katastrophenhilfe im Land besucht und sich ein Bild der aktuellen Lage vor Ort gemacht. Im Interview erklärt er, welche Hilfe jetzt besonders dringend ist.

Herr Huber, wie ist die Lage im Südsudan? Ist die Hungerkrise sichtbar?

Ich habe die Projekte der Diakonie Katastrophenhilfe im Bundestaat Gok besucht. Durch die anhaltende Trockenheit hat die Aussaat vom Oktober 2016 kaum Ernten gebracht. Eine Bäuerin hat mir berichtet, dass etwa drei viertel ihrer Pflanzen kaum oder gar nicht gewachsen sind. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind dadurch weiter gestiegen. Die Menschen müssen also mehr Geld für Nahrung ausgeben. Das wiederum hat zur Folge, dass viele Familien ihre Kinder aus der Schule nehmen müssen – sie können die Gebühren nicht mehr aufbringen. In anderen Gebieten des Landes, wie zum Beispiel in Unity State, ist die Hungerkrise sichtbarer, insbesondere am Zustand der Viehherden. Durch Wassermangel und Dürre magern die Herden ab, werden anfällig für Krankheiten und verenden schließlich. Das Vieh bedeutet für die Menschen vor Ort jedoch mehr als eine Nahrungsgrundlage: Rinder gelten als Absicherung und Geldanlage. Magern die Herden ab, beginnen die Menschen das Vieh unter hohen Gewinneinbußen zu verkaufen. Damit entsteht ein unguter Kreislauf – am Ende haben die Menschen weder selbst produzierte Nahrung noch finanzielle Mittel, um diese einzukaufen. Hinzu kommen die anhaltenden gewalttätigen Auseinandersetzungen und der dadurch für die Bevölkerung stark eingeschränkte Zugang zu humanitärer Hilfe. Davon betroffen ist insbesondere das Grenzgebiet zu Uganda, der Norden mit den Bundesstaaten Unity State und Upper Nile State sowie Jonglei State im Osten des Südsudans.

Welche Hilfe benötigen die Menschen am dringendsten?

Die Bevölkerung braucht dringend Zugang zu Nahrungsmitteln – entweder durch Lebensmittellieferungen oder Bargeldhilfen. Die negativen Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft, die soziale Absicherung und die Bildung müssen durch Überbrückungsleistungen von außen gestoppt werden. Die Menschen brauchen die Hilfe sofort, denn das Saatgut muss vor der kommenden Regenzeit ausgesät werden. Zudem wird der Regen Hilfslieferungen aufgrund der mangelnden Infrastruktur auf dem Landweg unmöglich machen. Außerdem müssen gerade die im Südsudan engagierten Staaten ihren Druck erhöhen, damit die politischen und militärischen Akteure im Südsudan endlich der Bevölkerung den Zugang zu humanitärer Hilfe ermöglichen.

War die aktuelle Hungersnot für die Weltgemeinschaft absehbar?

Ja. Bereits im Frühjahr 2016 haben wir und andere humanitäre Hilfsorganisationen alle politischen Entscheider und Geber vor dieser Krise gewarnt. Leider wurde aber nur langsam reagiert. Gerade Lebensmittellieferungen in Konfliktgebiete brauchen aber einige Zeit und gute Planung, damit sie bei den Bedürftigen ankommen. In Ländern wie dem Südsudan, wo fehlende Infrastruktur und gewalttätige Konflikte die Hilfe behindern, muss vorausschauend gehandelt werden. Wenn Menschen vor einer Hungersnot geschützt werden sollen, müssen die Gelder eigentlich viel früher zur Verfügung gestellt werden – nämlich dann, wenn sich solche Krisen durch solide Prognosen abzeichnen.  

Wie hilft die Diakonie Katastrophenhilfe?

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt in Ceubeit/Gok State Schulen mit Nahrungsmittelhilfen. Damit wird ein Nahrungsmittelausfall für die Kinder verhindert und gleichzeitig ihr Schulbesuch sichergestellt. Parallel dazu wird die lokale Wasserversorgung gewährleistet und ausgebessert, damit Landwirtschaft überhaupt stattfinden kann. Zu den Hilfsmaßnahmen gehören auch einkommensschaffende Aktivitäten sowie landwirtschaftliche Schulungen für Kleinbauern. Zudem werden auch landwirtschaftliche Geräte und Werkzeug ausgegeben. Mit dieser Hilfe werden die Menschen dabei unterstützt, die akute Not zu überstehen und wir hoffen, dass sie sich damit mittelfristig eine bessere, stabilere Lebensgrundlage aufbauen können.

Projekt: 

Bildergalerie: 

Die Köchinnen einer Schule bereiten warme Schulmahlzeiten vor.
Die Schulmahlzeit besteht aus einem nährstoffreichen Soja-Mais-Gemisch.
An der „Achol Malek Primary School“ erhalten 200 Schülerinnen und Schüler jede Tag eine warme Mahlzeit.
Die Kinder freuen sich über das Essen.
Die Köchinnen der Schule befüllen ihre Wasserkanister zum Zubereiten der Schulmahlzeit.
Die Schülerinnen und Schüler versammeln sich zum Morgengebet.
Diese Geschwister holen Wasser für die Familie.

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