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Aktuelle Berichte

Unübersichtliche Lage nach Anschlag in Mogadischu

Als Leiter des Projektbüros Somalia koordiniert Jürgen Feldmann die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort.
Am 14. Oktober kam es in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu einem schweren Bombenattentat. Bislang wurden mehr als 300 Tote geborgen, 330 Menschen wurden schwer verletzt, viele gelten immer noch als vermisst. Jürgen Feldmann, Leiter des Projektbüros Somalia, berichtet über die Lage vor Ort.

Herr Feldmann, wurden Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe oder ihrer Partnerorganisationen durch den Anschlag getroffen?

Ja – zwei unserer lokalen Partner waren von dem Anschlag betroffen. In einem Falle ist das Auto eines Partners, das sich zufällig am Anschlagsort befand, zerstört worden. Beide Insassen, eine Finanzangestellte und ein Fahrer, erlitten schwere Verbrennungen. Die Mitarbeiterin starb. Der Fahrer wurde schwer verletzt in die Türkei ausgeflogen, um dort medizinisch behandelt zu werden. Wir hoffen, dass er überlebt.
In dem anderen Fall sind alle Fenster des Bürogebäudes unseres Partners durch die Druckwelle der Explosion zersplittert. Zum Glück ist hier niemand verletzt worden, denn samstags ist kaum jemand im Büro. Wir sind zutiefst schockiert und betroffen über das Ausmaß dieses Anschlags.

Wie ist die Sicherheitslage jetzt in Mogadischu?

Die Umgebung der Zobe Junction, wo der Anschlag verübt wurde, ist immer noch großräumig abgesperrt. In den Trümmern wird immer noch nach Überlebenden gesucht und es werden weitere Opfer tot geborgen. Viele Hauptstraßen sind gesperrt und es gibt sehr viele Kontrollen. Außerdem ist es in den Tagen nach dem Anschlag zu einer großen Protestdemonstration gegen den Terror gekommen. Der Bürgermeister von Mogadischu hat während der anschließenden Kundgebung zur Solidarität gegen Terrorismus aufgerufen. Auch in Kismayu, einer Hafenstadt im Süden Somalias, haben Menschen ihre Solidarität mit der Bevölkerung von Mogadischu in einem Protestmarsch ausgedrückt.

Neben dem Konflikt leiden die Menschen in Somalia auch unter der anhaltenden Dürre. Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hat die Herbst-Regenzeit schon eingesetzt?

Bisher gibt es noch keine Berichte über Regen in den Dürregebieten. Allerdings wurde von den Vereinten Nationen vor etwa einer Woche eine Vorhersage getroffen, die zwar Regen für den Herbst im Zentrum und Süden des Landes vorhersagt, allerdings sollen die Niederschläge  unterhalb der Durchschnittswerte liegen.
Aber vor allem im Hochland von Äthiopien, im Quellgebiet des Shabelle Flusses, soll es verstärkt regnen, was zu Überschwemmungen entlang des Flusslaufes führen kann. Entsprechend bereiten wir uns jetzt mit unseren Partnern auf die Versorgung von Menschen mit Trinkwasser entlang des Flusses in Somalia vor. Vor allem die Städte Beletweyn und Jowhar sind immer wieder von massiven Überschwemmungen betroffen. Die ausgedörrten Böden werden einfach weggeschwemmt. Die Menschen kommen also von einem in das andere Extrem. Aber unsere Partner sind auch dafür gewappnet – wir haben in der Region eine Notfall-Wasseraufbereitungsanlage stationiert und die Partner im Betrieb der Anlage geschult. Falls es zu Überschwemmungen kommt, versorgen wir die Menschen mit sauberem Wasser und helfen, die Ausbreitung von wasserbedingten Krankheiten wie der Cholera zu vermindern.

Wie sieht es in den übrigen Gebieten aus? Wie schnell können sich Tiere und Natur erholen?

In den anderen Gebieten wird erst einmal damit gerechnet, dass eventueller Regen zur Erleichterung führt. Jedoch brauchen die Pflanzen etwas Zeit, um sich wieder zu erholen und somit als Futter für das Vieh, das die Dürre überlebt hat, bereit zu stehen. Wir befürchten aber, dass die Regenmenge nicht ausreichen wird, um die Notlage der Menschen zu beenden. Verlorene Tierbestände, die ja die Lebensgrundlage der Gesellschaft bilden, werden auch durch Regen nicht wieder zum Leben erweckt. Viele Haushalte haben ihren kompletten Viehbestand verloren. Es wird mindestens ein bis zwei Jahre dauern, bis sich die Bestände wieder erholt haben.

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